| Rückblick und Ausblick |
| ... oder "Der Stich ins Wespennest" ... |
| Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich mit dem, was jetzt folgt, nicht unbedingt auf ausnahmslose Zustimmung stoßen werde. Aber obwohl ich nicht exakt der 68er-Generatiobn angehöre, bin ich doch in einer Zeit aufgewachsen, in der man, auch ohne eine antiautoritäre Erziehung genossen zu haben (oder vielleicht gerade weil?), durchaus "heisse Eisen" anzupacken bereit war. Alles in allem waren es Jahre gravierender gesellschaftlicher Veränderungen, z.T. initiiert durch massive Proteste - Proteste, von denen die heutige Zeit, in der zwar viel gemeckert und gejammert, jedoch nichts unternommen wird, durchaus einige (mehr) vertragen könnte. Allerdings bleibt die Frage, zu welchem Ziel all die Proteste, Demonstrationen und Kämpfe letztendlich geführt haben: Haben wir damals u.a. vehement für die Abschaffung der Scheinpflicht an den Universitäten gekämpft, so waren die ersten Worte derjenigen, die nur wenige Jahre später die hehren Hallen dieser Bildungsinstitution betraten, kaum dass sie einen Fuß über die Schwelle gesetzt hatten:"Wo kann man denn hier Scheine machen?" Hat die reformierte Oberstufe, hat die OS wirklich einen effektiven Nutzen gehabt? Sicher war es begrüßenswert, nun nicht mehr nur den Einheitsbrei serviert zu bekommen, sondern sich sein Menü selber zusammenstellen zu können. Selbstverwirklichung gepaart mit Eigenverantwortung waren hier die Schlagworte, Ziel die gezielte Förderung der individuellen Fähigkeiten. Dass dabei allerdings die sogenannte Allgemeinbildung gewaltig auf der Strecke geblieben ist, hat die Zeit gezeigt und hätte eigentlich mit ein wenig Überlegung auch vorausgesehen werden können. Wenn ich mir heute so die Resultate der sogenannten antiautoritären Erziehung ansehe, so begrüßenswert durchaus eine offenere Erziehung war, so drängt sich mir vielfach die Schlussfolgerung auf, dass hier schlicht und einfach Unfähigkeit beschönigt wird durch Worte wie antiautoritär. Oder wie soll ich es verstehen, wenn Eltern ihre 10jährigen Kinder in einen Kursus schicken müssen, damit die lernen, nicht mehr alles nur mit den Fingern, sondern mit Messer, Gabel und Löffel zu essen? Wenn 6-jährige aus reinem Zeitvertreib mit Papas Hammer den Wagen des Nachbarn völlig demolieren? Wenn 10-jährige nicht einmal eine Vorstellung davon haben, dass es ihren Mitschüler hätte umbringen können, als sie ihm mit einem Brett auf den Kopf geschlagen haben (im Fernsehen machen die so etwas laufend und denen passiert ja auch nichts). Das hat absolut nichts mehr mit dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit zu tun. Das war es sicher nicht, was z.B. ein Rudi Dutschke unter antiautoritärer Erziehung verstanden hatte und verstanden wissen wollte. Da ging es nicht um Drücken vor der Verantwortung, einfach die Hände in den Schoß legen und den Dingen ihren Lauf lassen - da ging es Auseinandersetzung statt bloßem Befehlen, da ging es um diskutieren statt diktieren, da ging es um Begründung statt bloßem Nachplappern, kurz: da ging es um mehr statt weniger Engagement in der Erziehung. Dass einerseits diese Versäumnisse in der elterlichen Erziehung in den Folgejahren ihre Auswirkungen in der Schule zeitigten, ist absolut nicht verwunderlich; dass dann jedoch von der Schule erwartet wurde, diese Versäumnisse in der Erziehung aufzufangen und die bisherigen Versäumnisse wieder wettzumachen, ging abermals völlig an der Sache vorbei, ist es doch Aufgabe der Schule, ergänzend tätig zu sein und nicht stattdessen. Die Aufgabe der Lehrer dahingehend auszuweiten, für die grundsätzlich Erziehung zuständig zu sein, nimmt ihnen bei dem zur Verfügung stehenden Stundenpotential und der immer noch herrschenden Lehrerknappheit die Möglichkeit, ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Vermitteln von Wissen, nachkommen zu können. Die Konsequenzen hat die Pisa-Studie nur allzu deutlich gemacht. Angesichts der Beiträge in Internet-Foren drängt sich zudem doch sehr die Frage auf, in welche Richtung heutige Protest-Aktionen wohl gehen würden, trifft man dort doch in überwiegendem Maße auf Äußerungen, die dem 3. Reich alle Ehre gemacht hätten und die sowohl von unkritischer Schlagzeilen-Nachbeterei als auch von geradezu egomanischem Klammern an die vermeintliche Wohlstandsgesellschaft ein mehr als beredtes Zeugnis ablegen. Wer mit offenen Ohren und wachem Geist durch's Leben marschiert, wird feststellen, dass diese Gesellschaft sich zu allererst auszeichnet durch: 1. eine "Die Welt ist eine Scheibe"-Mentalität. Würde das Ganze als Frage gestellt (Ist die Welt eine Scheibe?), wäre durchaus noch Hoffnung. So jedoch symbolisiert es die Weigerung, über den eigenen Tellerand sehen zu wollen, denn es besteht ja die Gefahr, dass man dann etwas zu sehen bekommt, was das eigene ach so schöne Weltbild ins Wanken bringen könnte. Dass man nämlich feststellen müsste, dass die Welt mitnichten eine Scheibe ist und das wiederum würde die Verpflichtung nach sich ziehen, nachzudenken über das bisherige Weltbild und Konsequenzen zu ziehen, die zwangsläufig zu Veränderungen führen. Und das darf ja um Himmels willen nicht sein. Nur schön weiter in den althergebrachten ausgelatschten Pfaden weitertrampeln, auch wenn die inzwischen schon so tief sind, dass man nicht mehr nach rechts und links blicken kann. Wozu auch. Schließlich weiß man so wenigstens, wo man ankommt. Wagt man jedoch, neue Wege einzuschlagen, begibt man sich schließlich auf unsicheres Terrain. Also nur fein weiter im alten Trott, dann braucht man nicht weiter nachzudenken. 2. die 3-Affen- oder Vogel-Strauß-Mentalität: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen - zumindest nichts, was nicht als Schlagzeile in der Bildzeitung steht. Warum sich um mehr als das eigene Ego kümmern? Und was ich sonst noch wissen muss, sagen mir die Schlagzeilen der Bildzeitung beim Tanken. Wenn ich zuhöre, wirklich zuhöre, wenn ich sehe, wirklich hinsehe, wenn ich mich informiere, wirklich informiere, könnte ich ja Dinge erfahren, die mich ebenfalls veranlassen würden, nachzudenken und gegebenfalls Konsequenzen zu ziehen. Das wäre aber ärgerlich und würde meine schöne Idylle doch sehr stören, würde es mich doch zwingen, Verantwortung zu übernehmen - und sei es nur dafür, nichts zu tun. Also lieber einfach den Kopf in den Sand stecken. 3. eine "und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie noch übermorgen"-Mentalität. Jeder würde ja schon etwas tun - wenn der andere zuerst ... Und so wartet eben jeder, dass der andere zuerst etwas tut. Und da nun jeder auf den anderen wartet, sind alle geeint in dem, was sie tun: zu warten. Und nichts wird getan. Außer zu warten natürlich. Es ist überhaupt kein Wunder, dass es mit der deutschen Wirtschaft bergab geht, bei soooo viel Willen zum Engagement, bei so vehementen Anstrengungen, den Status quo trotz aller Meckerei und Jammerei ja nicht ins Wanken zu bringen. Da wird dann eben auch noch die nächste Steuererhöhung geschluckt, ebenso wie die Erhöhung der Rentenbeiträge (trotz eines vor einem ¾ Jahr konstatierten angeblichen Plus' in der Rentenkasse, das sich inzwischen allerdings - mal wieder - merkwürdigerweise (?) in ein Milliardenloch verwandelt hat) und die Kürzung der Zahlungen, die noch von den Krankenkassen trotz gestiegener Sätze geleistet werden. Dann hält man sich zum Ausgleich eben noch stärker als bisher an das Motto: Geiz ist geil - ganz gleich, ob man damit dazu beiträgt, dass noch mehr Firmen Konkurs anmelden müssen und noch mehr Menschen arbeitslos werden. Es ist ja so viel einfacher, die Arbeitslosen als Sozialschmarotzer zu bezeichnen, als sich einzugestehen, dass man selber eine Mit-Schuld an ihrer Arbeitslosigkeit trägt. Wir sind auf dem besten Wege, eine Gesellschaft der Eloy (H.G. Wells: the time machine) zu werden. Alles ist ja so viel einfacher, als Verantwortung zu übernehmen - für sein eigenes Tun und vor allem für die Konsequenzen dieses Tuns. Konsequenzen, die sich gesellschaftlich auswirken. Denn - obwohl die meisten sich so verhalten - niemand ist eine Insel. Und man mag den Kopf noch so tief in den Sand stecken: wir alle sind Bestandteil dieser Gesellschaft und was immer dieser Gesellschaft widerfährt, was immer mit dieser Gesellschaft geschieht - es wird auf jeden einzelnen zurückgeworfen und geschieht auch ihm. Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Und so gesehen ist diese Kette, fürchte ich, nicht allzu haltbar. Aber das ist nicht das einzige Problem, das uns alle betrifft, obwohl auch dieses Problem letztendlich dieselben Wurzeln hat: Arroganz, Ignoranz, Egomanie und Gier. In ihrem Namen zerstört die "Ich will mehr, ich will mehr"-Ideologie nicht zuletzt auch das Fundament unseres Lebens: die Natur: sie, der wir unsere Nahrung zu verdanken haben und unsere Luft zum Atmen. Aber wir haben längst aufgehört, einen wirklichen Bezug zur ihr zu haben; anstatt zu nutzen, was sie uns bietet, beuten wir sie gnadenlos aus, zerstören wir sie mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln. Hier geht es nicht nur um die Einschränkung von CO2-Emissionen oder FCKW, so wichtig sie sind - hier geht es um unsere allgemeine Einstellung. Da wird z.B. eine alte Eiche gefällt, nur weil sie die Sicht aus dem Küchenfenster versperrt oder es mühselig ist, das ganze Laub wegzuharken. Da werden immer neue Baugebiete auf ehemaligen Weiden ausgewiesen frei nach dem Motto: wozu eine Wiese - ich will mein eigenes Haus im Grünen (nur dass durch diese vielen eigenen Häuser schon längst nichts Grünes mehr da ist) usw. Da wird nach fremden Sternen gegriffen, während die Probleme vor der eigenen Haustür nicht eines einzigen Blickes gewürdigt werden. Die Native Americans haben uns mehr als einmal gewarnt, an unseren so hoch geschätzten Verhaltensmustern weiter festzuhalten.(Hopi warnings to the world) Aber genauso wenig wie ihnen bislang zugehört worden ist (u.a. von den United Nations), genausowenig wird jetzt und hier an dieser Stelle zugehört werden. Und so wird weiter der Tanz um das goldene Kalb veranstaltet werden - ungeachtet all der Warnungen, die wir in den letzten Jahren schon massiv zu spüren bekommen haben wie Tornados, Hagelstürme, Überschwemmungen, Erdbeben usw. Wir bauchen längst schon keine Atombomben mehr, um diesen Planeten vollends zu zerstören - wir brauchen nur so weiterzumachen wie bislang. Wie heißt es doch: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Und er wird brechen. Die Risse sind schon allzu deutlich, das Wasser quillt schon längst heraus. Nach Auffassung der Hopi ist es inzwischen die 4 Welt, die wir zu zerstören (fast) geschafft haben. Damit ist eins klar: was immer der Mensch ist - die Krone der Schöpfung ist er mit Sicherheit nicht. Er hat sich bislang trotz oder gerade wegen seiner vermeintlichen Intelligenz immer nur als eins erwiesen: als Letalfaktor. Der Mensch hat im Laufe seiner Geschichte immer wieder bewiesen, dass er die fatale Eigenart hat, alles, was er durchaus zu guten Zwecken erfunden wurde, zu pervertieren und vornehmlich in zerstörerischer Weise zu benutzen: das Dynamit wird dazu benutzt, andere in die Luft zu jagen, die Kernenergie wird benutzt, um ganze Regionen auszulöschen und zu verseuchen, die Flugzeuge werden benutzt, um wahre Bombenteppiche auf Städte niederprasseln zu lassen, die Stahlerzeugung wird benutzt, um Waffen und Panzer herzustellen, Computertechnologie wird benutzt, um anderen zu schaden, seine Fähigkeit zur Indivualiserung nutzt er in erster Linie, um sich selbst auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen usw. So fortgeschritten sein technologisches Wissen auch geworden sein mag, eins ist der Mensch in all den Jahrmillionen ganz offensichtlich nicht geworden: erwachsen; eins hat der Mensch in all den Jahrmillionen nicht geschafft: verantwortungsbewusst zu handeln. Die Quittung dafür wird gerade gedruckt. In diesem Sinne ... "The Warriors of the Rainbows" |