Das damalige Schulsystem
Koedukation und Kurzschuljahre
Wie man ganz klar sieht, bestand zu Beginn noch eine strikte Geschlechtertrennung an den höheren Schulen. Hier wurde die sogenannte Ko-Edukation erst zum Schuljahrsbeginn 1969 eingeführt.

Unser Jahrgang war übrigens der 1., der keine Aufnahmeprüfung mehr zu machen brauchte, um auf die Mittelschule oder Oberschule überwechseln zu können. Bis 1964 war diese Prüfung als Zugangsvorausetzung noch obligatorisch gewesen und nur, wer sie bestand, durfte wechseln. Obwohl ab 1965 die KlassenlehrerInnen der 4.Klasse den Wechsel befürworten mussten, stand uns in jedem Falle das Recht auf einen Wechsel zu, wenn die Eltern es wünschten.

Außerdem gab es während meiner Schulzeit ein Novum, von dem viele Junge heute i.d.R. nichts mehr wissen:

Bis zum Jahre 1966 fing das Schuljahr nicht nach den Sommerferien, sondern im April nach den Osterferien an. Halbjahreszeugnisse gab es demzufolge vor den Herbstferien.
1966 kam dann die Idee auf, den Schuljahresbeginn auf den Herbst, wie es hieß, zu verlegen. Damit sollte eine Angleichung an den europäischen Standard erreicht werden.
Nun war guter Rat teuer: Sollte man ein langes Schuljahr einschieben - von April 1966 bis zum Herbst 1967, also 18 Monate - oder lieber 2 Kurz-Schuljahre daraus machen?
Die Entscheidung fiel zugunsten der 2 Kurzschuljahre. So dauerte das 1. Schuljahr von April bis Weihnachten 1966 (Versetzungszeugnisse zu Weihnachten! Na denn: Merry Xmas!), also 8 ½ Monate, das nächste Schuljahr von Januar 1967 bis zu den Herbstferien 1967, also ca. 9 Monate, beide Schuljahre ohne Zwischenzeugnis.
Ob das folgende Schuljahr dann bereits zu den Sommerferien endete oder ebenfalls bis zu den Herbstferien ging, weiß ich nicht mehr. Irgendwann war dann jedenfalls das Schuljahrsende auf den Beginn der Sommerferien verlegt.

So kommt es, dass alle Jahrgänge, die zwischen 1955 und 1966 eingeschult worden sind, ihr Abitur bereits nach 12 Jahren in derTasche hatten (sofern sie keine Ehrenrunden drehen mussten).