Nachdem die 13jährige "Solokarriere" der ARD bereits 1963 durch die Einführung des ZDF beendet worden war, konnten die Deutschen ab 1965 nach Einführung des 3. Programms sogar dreigleisig das Fersehen genießen.
1967 durften die Deutschen sich dann erneut freuen, denn von nun an gab es Fernsehen auch in Farbe.
Quiz- und Spiel-Shows:
Es waren die Jahre, in denen eine neue Art von Fernsehunterhaltung zu einem Höhenflug ansetzte: Bei i.d.R. live übertragenen Quiz-Shows wie EWG (Einer wird gewinnen) mit Hans-Joachim Kulenkampff, Dalli Dalli mit "Hänschen" Rosenthal, Vergiss mein nicht mit Peter Frankenfeld und dessen Nachfolger 3 mal 9 und Der große Preis mit Wim Thoelke konnte man nicht nur zusehen wie bislang, sondern auch selber mitraten oder sogar die Chance bekommen, etwas zu gewinnen. Im Gegensatz zu heutigen Quiz-Sendungen waren diese Sendungen Shows, durchsetzt mit Entertainment und Spielen. Bei vielen dieser Shows ging es nicht nur ums eigene Gewinnen sondern auch um das Sammeln von Geld für einen guten Zweck. Für Lou van Burg allerdings, den Showmaster von Der goldene Schuss, endete die Sendung vorzeitig 1967 mit einem Eklat, hatte er doch den folgenschweren Fehler begangen, eine Affäre zu haben. Er musste darauf seinen Hut nehmen und gehen und wurde durch Vico Torriani ersetzt. Ja, so hart waren damals die Zeiten.
Die wohl kontroverseste Show der damaligen Zeit war die Spielshow Wünsch Dir was mit Dietmar Schönherr und Vivi Bach, die von 1969 - 1972 über die Bildschirme flimmerte.
 Wünsch-Dir-was-Eklat |
Bewusst auf Provokation getrimmt erhitzte sie die Gemüter der Zuschauer wie keine andere Sendung: "Wir nehmen Proteste nicht nur in Kauf - wir fordern sie heraus". Als Co-Produktion der Schweiz, Österreichs und Deutschlands traten 3 Familien aus diesen 3 Ländern in diversen "Spielen" gegeneinander an. Gefragt war sowohl Wagemut (wenn z.B. mit Riesenschlangen hantiert oder über dünnes Eis gerobbt werden musste) als auch Familienzusammenhalt (Einigkeit macht stark). Für besondere Eklats sorgten der beinahe tödlicher Ausgang eines Spiels, bei dem ein Auto unter Wasser versenkt wurde und die darin sitzende Kandidatin nur noch durch Taucher gerettet werden konnte, und die durchsichtige, nichts verhüllende Bluse, in der eine Kandidatin auf der Bühne erschien. Als Dietmar Schönherr in einer Sendung, die unter dem Motto "Antiautoritäre Erziehung" stand, konsequenterweise sämtliche Kandidaten duzte, brachen wahre Entrüstungsstürme unter den Zuschauern los. |
Aber gerade wegen ihrer Skandalträchtigkeit zog die Sendung teilweise bis zu 30
Mio Zuschauer vor die Fernsehapparate - passte sie doch hervorragend zu der allgemeinen Proteststimmung der ausklingenden 60er Jahre. Ein absolutes Novum in der damaligen Zeit war die Interaktion mit den Zuschauern vor den Fernsehern: ihnen oblag es, die Sieger auszuwählen. In einer Art vorsintflutlicher TED wurden die Bewohner einer ausgewählten Stadt aufgefordert, für die ihrer Meinung nach "bessere" Familie" zu voten, indem sie entweder alle Lichter in der Wohnung einschalteten oder die Wasserspülung betätigten. Die Elektrizitäts - bzw. Wasserwerke verzeichneten den jeweiligen Anstieg und gaben die Messwerte an die Sendung weiter. Obwohl mehr als umstritten bei Publikum und Kritikern erhielt die Sendung den Bambi und Dietmar Schönherr für die Spielleitung die goldene Kamera.
Eine andere Show hat bereits vor gut 40 Jahren europäische Signale gesetzt: Spiel ohne Grenzen. In einer Kombination aus Sport- und Geschicklichkeits-Wettbewerb wurden zunächst nationale und unter den jeweiligen Finalisten anschließend internationale Wettkämpfe ausgetragen, die live von der Eurovision übertragen wurden. Zu den Staaten, die seit dem Start 1965 dabei waren, gehörten Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien. 1967 kamen dann noch die Schweiz und das Vereinigte Königreich und 1970 die Niederlande hinzu (nach 1976 noch etliche weitere Staaten). 6 mal durfte Deutschland bei den internationalen Wettbewerben das Oberste Siegertreppchen erklimmen und war damit insgesamt die erfolgreichste Mannschaft.
Bad Segeberg, seit Anfang der 50er Jahre Austragungsort der Karl-May-Festspiele, wartete Mitte der 60er mit einem absoluten Novum auf: einem waschechten Indianer. Der 1,97 m große Choctaw-Cherokee-Indianer Buffalo Child Long Lance sorgte mit seinen Originaltänzen und -gesängen für echte Wildwestatmosphäre bei den Spielen. Er sollte sogar bei Karstadt in Wilhelmshaven eine Autogrammstunde geben, aber es muss wohl irgendetwas dazwischen gekommen sein.
Fernsehserien:
60er und 70er-Jahre-Serien wie Big Valley (1969/70), Bonanza (erster Startversuch 1962 in der ARD, Absetzung nach 13 Folgen wegen "zu großer Brutalität". 2. Start 1967 im ZDF, bis 1973) , Rauchende Colts (1967-73), Lancer (ca. 1970) und Die Leute von der Shiloh-Ranch (ab 1970) setzten die alte Tradition der Westernserien aus den 50ern wie Texas Rangers und Am Fuß der blauen Berge fort
Auf die "Tierserien" der 50er Rin Tin Rin, Lassie und Fury folgte in den 60ern Flipper (ab 1966)
Während in der Realität die alten Normen und Werte einer harten Zerreißprobe unterworfen und zum Teil zu Grabe getragen wurden, gaukelte ab 1971 jeweils am Sonntag nachmittag die Brady Familie (3 Mädchen und 3 Jungen) Heile-Welt-Idylle vor.
1971 ging mit der deutschen Produktion Die Sendung mit der Maus (Untertitel Lach - und Sachgeschichten), die u.a. 1973 den goldenen Bambi erhielt, eine völlig neue Art von Sendung an den Start, die sich speziell an Kinder im Vorschulalter wendete (allerdings liegt lt. Umfrage der Welt am Sonntag vom Nov. 2005 das tatsächliche Durchschnittsalter der Zuschauer bei 39 Jahren :-) )
1969 erstmals in den USA ausgestrahlt folgte 1972 auch in D, zunächst in N3, ab 1973 auch in allen übrigen 3. Programmen mit Ausnahme des BR (in Bayern gäbe es keine unterprivilegierten Kinder) die ebenfalls als Wissens-Sendung für Vorschulkinder konzipierte Serie Sesamstraße, damals noch in der synchronisierten originalversion. Durch diese Serie wurden auch Jim Hensons Muppets einem breiten Publikum bekannt.
 Tammy & Onkel Lucius

 The Monkees |
Zu den beliebtesten Vorabend-Serien zählten u.a. Tammy (ab 1967), Bezaubernde Jeannie (1967, mit Barabara Eden als orientalischem Flaschengeist und Larry Hagman - der spätere Fiesling J.R. Ewing in "Dallas" - als leicht tolpatschigem und durch Jeannies Eskapaden völlig überfordertem Nasa-Piloten Tony Nelson), Lieber Onkel Bill (ab 1968) Die Monkees (ab 1966; Samstag nachmittag) und Die Partridge Family (ab 1972). Was die beiden letzten Serien verband, war die Tatsache,dass es sich um zunächst fiktive Musikgruppen handelte, die lediglich für die Serien konzipert worden waren, die dann jedoch auch reale Musikgeschichte schrieben: Die Monkees (click)(Achtung! 800 KB) sahen nicht ein, dass sie lediglich als fiktive Gruppe ein reines Mattscheiben-Dasein führen sollten und starteten eine eigene Musik-Karriere. Viele ihrer Songs sind bis heute unvergessen wie z.B. Daydream-Believer. Sie besitzen sogar einen Stern auf dem Walk of Fame.
Die Partridge Family war laut der Bravo Jahrescharts 1973 die beliebteste Vorabendserie und David Cassidy landete dort auf Platz 1 und 3. Außerdem produzierte die Partridge Family (nur David Cassidy und Shirley Jones sangen selbst) 10 Plattenalben, von denen 25 Mio Exemplare verkauft wurden und landete mehrere Nr-1 Hits. Bemerkenswert ist, dass sie die erste Gruppe war, um die herum sich ein wahres Merchandising entwickelte: Fan-Artikel, Pausenbrotdosen mit PF-Fotos usw. brachten einen Riesenumsatz.
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 Partridge Family |
Ganz anders gestrickt war hingegen die englische Serie Nummer 6 (1969/70) von und mit Patrick McGoohan, in der ein ehemaliger Geheimdienstler, der den Dienst quittiert hatte, in ein Dorf entführt wurde, wie es
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surrealistischer nicht sein konnte: Häuser à la Disneyland in Farben à la Zuckerguss, statt Namen hatte jeder nur eine Nummer. Kaum auf Action setzend hatte McGoohan es trotzdem meisterhaft verstanden, eine spannende Serie entstehen zu lassen, in der eine kafkaeske Situation zu Alice ins Wunderland verfrachtet wurde.
Ganz bewusst auf den Kontrast zwischen idyllisch märchenhafter Umgebung auf der einen und Polizeistaatmentalität auf der anderen Seite setzend hat die Serie, die inzwischen auch auf DVD erschienen ist, durch die Auseinandersetzung mit Themen wie privater |
Überwachung (das gesamte Dorf ist videoüberwacht), Methoden zum Brechen des Willens und dem Individuum als Opfer einer übermächtigen und anonymen Macht bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. |

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"The Village", in dem die Serie spielt, ist in Wahrheit ein Hotelkomplex in dem kleinen walisischen Dorf Portmeirion, wo sich auch heute noch alljährlich rd. 500 Fans der Serie aus allen Teilen der Welt treffen.
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1972 startete in D die Serie Männerwirtschaft mit Jack Klugman (vielen sich noch unvergessen als "Quincy" in der gleichnamigen Serie) und Tony Randall, die auf dem Theatersück Ein seltsames Paar von 1965 und dem gleichnamigen Film von 1968 mit Jack Lemmon und Walter Matthau basierte.
Wer Wind, Meer und Karibik liebte, war fasziniert von der amerikanisch-australischen Serie Abenteuer der Seaspray, die in der ARD 1967 an den Start ging.
Ich für meinen Teil stand mehr auf Yancy Derringer, die, bereits 1958 gedreht, 1967 und 1969 vom ZDF ausgestrahlt wurde.
1973 kam als französisch-ungarische Co-Produktion die Abenteuerserie Arpad, der Zigeuner auf die deutschen Bildschirme.
An deutschen Vorabendserien sind vor allem John Klings Abenteuer (1965/67/70, Agentenserie mit Hellmut Lange und Uwe Friedrichsen) Graf Yoster gibt sich Ehre (ab 1967) mit Lukas Ammann und Wolfgang Völz und Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger (NDR ab 1966) mit Beppo Brehm als
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Inspektor und Maxl Graf als dessen Assistent zu nennen. Besonders die letztere hat einen weitreichenderen Einfluß gehabt als man meinen sollte, hat sie doch dazu geführt, dass unserem damaligen Deutschlehrer (ich glaube, er kam damals als Referendar zu uns) Herrn Müller von uns kurzerhand der Spitzname Fröschl (Maxl Grafs Name in der Serie) verpasst wurde (etwas, das ich bis heute nicht so ganz nachvollziehen kann, da beide imho außer den Tatsachen, dass sie beide männlich waren und dunkle, leicht gewellte Haare hatten - etwas, das auch auf Charles Manson zutraf - keinerlei Gemeinsamkeiten aufwiesen.). |
Nachdem bereits 1960 und 1962 als Kinofilme mit Heinz Rühmann in der Titelrolle herausgebracht, folgte 1966 die Vorabendserie Pater Brown mit Josef Meinrad. Obwohl die letzten 3 Serien Krimiserien waren, stellten sie das Genre doch auf eine ganz eigene, teilweise recht skurrile Weise dar, verbanden Spannung mit einem ganz bewussten Augenzwinkern und ließen den Zuschauer nicht selten schmunzeln.
Nachdem bereits als Hörspiel-Serie sehr populär, wurde
1969 erstmals in der Fernsehgeschichte eine internationale Co-Produktion von BBC und ZDF mit der englischen Krimi-Serie Paul Temple (von Francis Durbridge, mit Francis Matthews) gestartet. Weniger auf Action aus setzten die Filme beim Lösen der Fälle auf Kreativität und Intelligenz gepaart mit geschliffenen Dialogen und subtilem Humor.
Bereits ab Anfang der 60er in schwarz-weiss aufgenommen, wurde die ebenfalls englische Krimi-Serie Simon Templar (mit Roger Moore) ab 1966 auch in Farbe gedreht. Moore ließ dafür zunächst sogar die Rolle des James Bond sausen und übernahm sie erst, nachdem die Serie abgedreht war. Simon Templar ist übrigens niemand anderes als der 1997 mit Val Kilmer verfilmte "The Saint" (so genannt wegen seiner Initialen S.T. = Abkürzung für Saint).
Daneben machte sich ein ganz neues Genre von Serien auf den Bildschirmen breit: die späten 60er-/frühen 70er-Jahre waren die Geburtsstunde von Sci-Fi-Serien wie Time Tunnel (1971, hier ging es um Zeitreisen) und Invasion von der Wega (1970/71, mit Roy Thinnes) und UFO (1971/72), die z.T. wahren Kult-Status erreichten wie Raumschiff Enterprise (produziert ab 1966, in D zu sehen ab 1972; unvergessen William Shatner als Captain James T. Kirk, Leonard Nemoy als Mr. Spock, James Doohan als Scotty und DeForest Kelley als Dr McCoy alias Pille - bemerkenswert: in einer Zeit massiven Rassismusses in den USA arbeiten Bewohner unterschiedlicher Planeten auf der Enterprise einträchtig zusammen).
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Nahezu zeitgleich mit der Enterprise wurde 1966 auch die einzige deutsche Sci-Fi-Serie produziert: Raumpatrouille (die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion) (u.a. mit Dietmar Schönherr als querulierendem Commander Cliff Allister McLane, Eva Pflug, Wolfgang Völz, Friedrich Joloff, Claus Holm und Friedrich G. Beckhaus). Im Gegensatz zu Enterprise war es eine reine Low-Budget-Produktion ( - bzgl. der angewendeten Tricks bitte unbedingt hier nachlesen), die es aber trotzdem geschafft hat, Kultstatus zu erreichen: obwohl nur 7 Folgen gedreht wurden, gehört die Serie, in s/w gedreht, bis heute zu den beliebtesten deutschen Serien überhaupt und wurde |
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insgesamt 20 x im Fernsehen wiederholt. (click) (Einfach nur traumhaft die Fische vor den riesigen Glaskuppel-Fenstern in McLanes Behausung und dem Starlight-Casino und zum Quietschen der Tanzstil).
Neben reinen Krimi-Serien, an die sich heute viele wohl kaum noch erinnern wie Der Chef (ab 1969), Mannix (1969/70; der Stil, in dem sich die Serie präsentierte, wurde von etlichen anderen Serien übernommen) und Hawaii Fünf-Null (1971/72) gab es aber noch andere Arten von Serien, die inzwischen ebenfalls Kult sind:
 John Steed & Emma Peel
 Die 2 |
Mit Schirm, Charme und Melone (in D ab 1966, hier besonders die Staffeln mit Diana Rigg als Emma Peel, deren extravagante Bekleidung den Stil der damaligen Mode unzweifelhaft mit beeinflusst hat, und Patrick MacNee als John Steed) , Solo für O.N.K.E.L (1967/68, mit Robert Vaughn als Napoleon Solo und David McCallum als Illya Kuryakin - Besonderheit: in der Zeit des noch bestehenden Kalten Krieges arbeiteten hier Russen und Amis zusammen, um die Verbrecherorganisation die "Drosseln" zu bekämpfen), Tennisschläger und Kanonen (1968/69, mit
Bill Cosby und Robert Culp - ein absolutes Novum: ein "farbiger" und ein "weißer" Amerikaner als gleichberechtigte Partner), Ihr Auftritt, Al Mundy (1969/70, mit Robert Wagner, den die Serie zum Star, auch international, machte und Altmeister Fred Astair als seinem Vater),
Die 2 (1972/73, mit Tony Curtis als flapsigem amerikanischem Playboy Danny Wilde und Roger Moore als steifem englischem Lord Brett Sinclair) und Jason King (1972/73, mit Peter Wyngarde als Fälle lösendem Krimi-Autor). Die 4 letztgenannten Serien haben ihren Kultstatus in Deutschland in erster Linie der deutschen Synchronisation durch Rainer Brandt zu verdanken, der die Serien mit frechen Sprüchen gewaltig aufgepeppt hatte ("... Brötchen aus der Schnabeltasche lutschen", "Na Meisterchen, schon frisch im Schritt?" etc.). Zuerst vom ZDF mit äußerster Skepsis beäugt entwickelten sich die "Schnodderdialoge" Brandts sofort zum Kult , fanden Eingang in den täglichen Sprachgebrauch und garantierten den von ihm synchronisierten Serien höchste Einschaltquoten. |
 Solo für O.N.K.E.L
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Zumindest in D ebenfalls mit großem Erfolg lief 1968 die Serie Gauner gegen Gauner mit David Niven, Charles Boyer, Robert Coote, Gladys Cooper und Gig Young.
Geradezu als Straßenfeger erwies sich in den Jahren 1965 - 1968 die Serie Auf der Flucht um den unschuldig des Mordes an seiner Frau bezichtigten Arzt Dr. Kimble (David Janssen).
Und 1969 machte noch einer erstmalig von sich reden und ist seitdem längst zu einer Ikone avanciert: Columbo (Peter Falk als vermeintlich ebenso schusseliger wie dusseliger Inspektor). Zunächst als Einzelfilm geplant folgte dann 1971 aufgrund der positiven Resonanz die Serie, die in D ab 1973 ausgestrahlt wurde und die mit einer Laufzeit über mehr als 30 Jahre (ohne Wiederholungen) wohl die langlebigste Krimiserie überhaupt war.
Ebenfalls mit der Aufklärung von Verbrechen, allerdings realen, befasste sich eine deutsche "Serie", die auch in den betreffenden Jahren gestartet wurde: nachdem 1964 bereits "Vorsicht Falle - Nepper, Schlepper, Bauernfänger" an den Start gegangen war, folgte ab 1967 eine weitere Serie von Eduard Zimmermann ("Ganoven-Ede") unter dem Titel Aktenzeichen xy ungelöst, die in den folgenden 30 Jahren unzählige Male unter Mithilfe der Fernsehzuschauer zur Aufklärung bis dahin ungelöster Verbrechen führen sollte, was Eduard Zimmermann das Bundesverdienstkreuz am Bande (1977), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1986), einen Bambi (1982) und den Humanitären Preis der deutschen Freimaurer (1990) einbrachte.
Weniger kriminalistisch, aber nicht weniger spannend ging es in der Serie Salto Mortale von 1969 und 1971/72 zu: durchaus hochkarätig besetzt mit Gustav Knuth, Hans Sönker, Sabine Eggert, Hans-Jürgen Bäumler und Hellmut Lange zeigte die im Zirkusmilieu spielende Serie das Leben der Artisten-Familie "The flying Dorias". Aufgenommen wurden die Szenen im Zirkus Krone.
Die Weihnachtszeit bot etwas Besonderes und jedes Jahr sehnsüchtig Erwartetes: Die sogenannten "Weihnachts-Vierteiler", Familien-Unterhaltung pur, weil sie die ganze Famile vor die Fernseher zogen (es sei denn, man wurde mit 9 Jahren noch für zu klein erachtet und stattdessen ins Bett gesteckt, weil man den Schlaf benötigte und eine Sendung um 20:00 Uhr einfach zu spät war.). Diese 4-Teiler wurden vom ZDF in internationaler Co-Produktion hergestellt und gelten bis heute als die authentischsten Verfilmungen der Romanvorlagen. Nachdem 1964 Robinson Crusoe mit Robert Hoffmann den Auftakt gemacht hatte, folgte im Jahr darauf Don Quichote mit Josef Meinrad, 1966 Die Schatzinsel mit Michael Ande und auf Tom Sawyer und Huckleberry Finn mit Marc die Napoli im Jahr 1968 folgte 1969 dann Lederstrumpf mit Hellmut Lange. Der Seewolf von 1971 machte Raimund Harmstorf berühmt - nicht zuletzt wegen der legendären Szene, in der er eine (vermeintlich) rohe Kartoffel in der Faust zerquetschte, etwas, das daraufhin von tausenden von Jungs erfolglos nachzumachen versucht wurde. 1973 folgte Cagliostro mit Jean Marais, der auch die Hauptrolle des Fantomas in den gleichnamigen Filmen aus den Jahren 1964, '65 und '67 spielte.
Wie groß auch heute noch die Fangemeinden dieser teilweise 40 Jahre alten Serien sind, zeigt die Tatsache, dass viele von ihnen inzwischen auf DVD erhältlich sind.
Außerdem war es die Zeit der sogenannten Straßenfeger (die Straßen waren wirklich wie leergefegt, wenn diese Filme gesendet wurden), die i.d.R. als Mehrteiler liefen wie die Durbridge-Krimis
Melissa (1966) und Das Messer (1971) oder die Verfilmung des größten Postraubs der englischen Geschichte Die Gentlemen bitten zur Kasse (1966).
Neben Drehbüchern für die erfolgreichsten Krimiserien Deutschlands wie z.B. Stahlnetz (1958-1968) stammten in diesen Jahren aus der Feder von Wolfgang Menge auch Serien und Filme wie ein Herz und eine Seele mit Ekel Alfred Tetzlaff (ab 1973), Das Millionenspiel (1970), das die Perversion der modernen Gesellschaft mit ihrer sowohl nahezu grenzenlosen Geldgier als auch der selbst vor Menschenjagd und Mord nicht zurückschreckenden Sensationsgier von "Menschen wie Du und ich" zum Inhalt hat (später wieder aufgenommen durch "Running Man" mit Arnold Schwarzenegger), oder Smog (1973) - Leinwand-Leckerbissen, in denen in gekonnt-typischer Menge-Manier mit bissig scharfer Feder und teilweise nahezu prophetischer Vorausschau Zeiterscheinungen auf's Korn oder vorweggenommen wurden und damit der Finger direkt in die Wunde gelegt wurde.
Und noch eine Serie ist den meisten sicher unvergessen: jeweils mit einer neuen Folge, zum Muttertag ausgestrahlt, lockte in den Jahren 1965 - 1971 die Familie Scholz in "Die Unverbesserlichen" (mit Inge Meysel, Joseph Offenbach, Agnes Windeck, Gernot Endemann, Helga Anders und Monika Peitsch) die Nation vor die Fernsehgeräte.
Filme:
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Die ersten James-Bond-Filme sorgten im Kino mit ihren ungewöhnlichen Spezialeffekten für Furore und machten Sean Connery zum Weltstar.
Es waren außerdem die Jahre, in denen Clint Eastwood mit Filmen wie 2 glorreiche Halunken (The Good, the Bad & the Ugly, 1968) (laut Internet Movie Database im Februar 2007 auf Platz 4 der besten Filme und als bester Western aller Zeiten genannt), Stoßtrupp Gold (1970) und Dirty Harry (1971) Weltruhm erlangte.
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Mit Doktor Schiwago (1965, mit Omar Sharif und Julie Christie; ausgezeichnet mit 5 Oscars und 5 Golden Globes) und Love Story (1970, mit Ali McGraw und Ryan O'Neal) wurde gewaltig auf die Tränendrüsen der Nation gedrückt, während Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum (1969) zwar zum Kultfilm hochstilisiert wurde, mir persönlich jedoch in seiner Schlussequenz eher wie der psychedelische Auswurf eines verwirrten Geistes erscheint, der schlicht den Faden verloren hat.
"Es steht jedem frei, über die philosophische und allegorische Bedeutung des Films zu spekulieren – und derartige Spekulation ist ein Anzeichen dafür, dass es gelungen ist, das Publikum auf einer tiefen Ebene zu berühren – aber ich möchte keine verbale Roadmap für 2001 aufstellen, der sich jeder Zuschauer verpflichtet fühlen würde, auf die Gefahr hin, das
Wesentliche zu verpassen.“ (Stanley Kubrick 1968 im Playboy Magazin). Darauf, dass etwaige Spekulationen nicht konsequenterweise darauf zurückzuführen sein müssen, das Publikum auf einer tiefen Ebene berührt zu haben sondern schlicht und einfach der Ausdruck simpler Verwirrung ob des mehr als merkwürdigen Endes des Films sein könnten, kommt der Meister offensichtlich nicht. Zumindest läßt er uns wissen, das irgendwo in diesem Film "das Wesentliche" verborgen ist und dass er den Anspruch erhebt, sowohl über eine philosophische als auch eine allegorische Bedeutung zu verfügen. Kann es sein, dass hier auf lange 143 Minuten ausgedehnt auf die Widersprüchlichkeit menschlichen und technologischen Fortschritts hingewiesen werden soll, auf die zunehmende Entmenschlichung der menschlichen Zivilisation durch die zunehmende Technisierung bis hin zur Schaffung vermeintlich unfehlbarer künstlicher Intelligenz?
Nichts gegen offene Enden und ebensowenig gegen Vielschichtigkeit, die durchaus unterschiedlichste Interpretationsmöglichkeiten zulässt - aber aus der letzten Sequenz dieses Filmes kann ich selbst nach reiflicher Auseinandersetzung bestenfalls die Schlussfolgerung ziehen, dass hier ganz offensichtlich wohl das Geld knapp und demzufolge im Zeitraffertempo ein Ende konstruiert wurde, das gleichzeitig einen Neubeginn symbolisieren sollte (in Form eines in einer Fruchtblase durch den Weltraum schwebenden Fötus') - welcher das allerdings sein sollte, könnte uns vermutlich nur der Schöpfer des Films selber sagen - aber der schweigt sich eloquent aus. Eine andere Möglichkeit wäre, die psychedelischen Ausuferungen als genau das zu sehen, als das sie erscheinen: Ausgeburten eines LSD-Rausches. So gesehen könnte der Film zumindest als Dokument seiner Zeit gelten. Vermutlich ist es aber viel einfacher und pragmatischer: um den wahren Kern des Films zu erfassen, muss man schlicht und einfach hinreichend bekifft sein.
1967 machte ein Film Furore, der Dustin Hoffman, damals immerhin schon 30 Jahre alt und damit eigentlich zu alt für die Rolle, zu Weltruhm verhalf und in vielerlei Hinsicht als durchaus revolutionär für die damalige Zeit anzusehen ist: Die Reifeprüfung. Mit seiner erstmals vorurteilsfreien Darstellung der sexuellen Beziehung einer verheirateten Frau zu einem jüngeren Liebhaber, dem Verweis auf die verkalkte Moral des amerikanischen Establishments und die Weltfremdheit der jüngeren Generation war der vom Lexikon des internationalen Films als "temporeiche Gesellschaftssatire" bezeichnete Film durchaus so etwas wie eine Reaktion auf die sich ankündigenden gesellschaftlichen und moralischen Umbrüche der damaligen Zeit (wobei ich mich frage, wann denn der erneute Rückfall der USA ins 19. Jh. stattgefunden hat - vorausgesetzt natürlich, der besagte Umbruch ist dann auch tatsächlich erfolgt; Anm. der Autorin). Der Soundtrack von Simon & Garfunkel (Sound of Silence, Mrs. Robinson und Scarborough Fair) wurde zu deren größtem Erfolg und mit der ersten professionellen Produktplazierung (eines Alfa Romeos) in einem Film betrat man Neuland in der Finanzierungsstrategie. Insgesamt wurde der Film mit 1 Oscar, 5 Bafta-Awards, 5 Golden Globes, Preisen der Gilden der Regisseure und Drehbuchautoren sowie dem Regie-Preis der Kritikervereinigung von New York ausgezeichnet. Dustin Hoffman erhielt außerdem 1969 den französischen Étoile de Cristal als bester ausländischer Darsteller.
1970 erhielt Dustin Hoffman eine weitere Hauptrolle in einem zwar gänzlich anders gelagerten, nichts-desto-trotz aber nicht minder gesellschaftskritischen Film: Little Big Man. Filmzentrale.com schreibt hierzu: " 'Little Big Man' ist ein Western, der es in sich hat, ein Anti-Western, ein enthüllender, desavouierender Western, der einer der wichtigsten Perioden der Geschichte der USA den Spiegel vorhält und die Geschichtsbücher Lügen straft, die diese Zeit heroisieren. 'Little Big Man' ist aktueller denn je angesichts der bis in die Gegenwart fortwirkenden Ideologie der absoluten Sicherheit, die größtenteils ihren Ursprung in der Siedlermentalität des 18. und 19. Jahrhunderts hat, mit den bekannten Folgen einer Politik der Arroganz im Weltmaßstab.“ Ich denke, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Nachdem 1954 das erste Jerry-Cotton-Heft der inzwischen im deutschsprachigen Raum mit 850 Mio verkaufter Exemplare erfolgreichsten Serie von Kriminalromanen erschienen war, folgten 1965 bis 1969 die Verfilmungen mit George Nader in der Hauptrolle und der unvergessenen Titelmelodie "Jerry-Cotton-March" von Peter Thomas, der übrigens auch die Titelmusik zu "Orion" geschrieben hat.
In Deutschland wurden die Edgar-Wallace-Filme der frühen 60er ergänzt bzw. abgelöst durch die Karl-May-Filme, die den damals eher unbekannten französischen Schauspieler Pierre Brice in der Rolle des Winnetou 1962 über Nacht zum Mega-Star gemacht hatten: so zierte er nicht weniger als 56 x das Bravo-Titelbild und war 3 mal als Starschnitt in der Zeitschrift enthalten. (Inzwischen hat er für sein künstlerisches Lebenswerk und sein humanitäres Engagement neben 12 Bravo-Oskars (davon 9 in gold) (wegen der damaligen Popularität Winnetous sieht der Bravo-Oskar übrigens aus wie ein Indianer) auch 5 Bambis, den DIVA-Award, den Steiger-Award, den Scharlih und den Brisant Brillant erhalten. Als besondere Auszeichnungen sind ihm zudem sowohl das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse als auch das Kreuz der Ehrenlegion, die höchste Auszeichnung Frankreichs, verliehen worden. Besonders außergewöhnlich ist die Auszeichnung der Winnebago-Indianer zu nennen, von denen er den Ehren-Titel "Rainbowman" erhalten hat.)
Gegen Ende des Jahrzehnts zogen die "Die Lümmel von der 1. Bank"-Filme um Pepe Nietnagel (Hansi Kraus, 1967 - 1972) die SchülerInnen scharenweise in die Kinos - ging es hier doch um das beliebte Thema "Wie wische ich den Lehrern eins aus". Zur gleichen Zeit legte Rainer Werner Fassbinder mit einer ganz anderen Art von Filmen zumeist sozialkritischen Inhalts den Grundstein für seinen Erfolg als Regisseur und Schauspieler mit Stücken wie "Der Stadtstreicher", "Katzelmacher" oder "Angst essen Seele auf".
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Daneben wurde mit Zur Sache Schätzchen (1968) und Nicht fummeln, Liebling (1970) von Werner Enke und May Spils neue deutsche Kinogeschichte mit Kultstatus geschrieben, die u.a. "Schätzchen" Uschi Glas und "Engelchen" Gila von Weitershausen zu Starruhm gelangen ließen: mit schnoddrigen Texten und der Ablehung bürgerlicher Konventionen sowie einem ins Groteske verkehrten Handlungs- und Dialogverlauf spiegelten sie das neue Lebensgefühl wider: alle bisherigen so hohen und hehren Werte und Normen wie Arbeit, Benehmen, gepflegtes Äußeres, Familie, sogar Recht und Ordnung etc. wurden auf komödiantische Weise in Frage gestellt. |
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